Mathias, was ist das Ritual der Stäbe – ganz grundsätzlich?

Antwort:

Für mich ist das Ritual der Stäbe ein Tool zur Selbstreflexion.

Es hilft dir, klarer zu erkennen, was gerade in dir passiert und welche Aspekte in dir aktiv sind. Es geht nicht darum, dir eine von außen gelieferte Wahrheit zu präsentieren. Sondern darum, dir einen Spiegel vorzuhalten, damit du dich selbst besser siehst: Wo stehst du gerade? In welchem inneren Feld schwingst du? Welche Fragen bringen dich wirklich weiter?

Am Ende geht es um Klarheit – nicht als Meinung, sondern als inneres Erkennen.

Wie ist das Ritual entstanden – wie kam es zu dir?

Antwort:

Herbst 2023: Ich war spazieren, mit einem Hörbuch auf den Ohren, wie ich es oft mache. Ich nenne das „Beschäftigung für mein Plapper-Gehirn“: Der Kopf ist mit dem Hörbuch beschäftigt und darunter entsteht Raum. Ich bin dann kreativer und mehr auf Empfang.

Und dann kam sie wie aus heiterem Himmel: die Idee mit den Stäben, mit den 64 Konzepten, mit dem ganzen Ritual – so wie es heute ist. Es war einfach da.

Ich habe sofort das Hörbuch gestoppt, das Telefon genommen und alles diktiert. Und dann habe ich innerhalb von zwei bis zweieinhalb Monaten wie auf Autopilot das komplette Spiel gebaut, samt Buch und Stäben, als erste Version.

Danach habe ich es erst einmal ein Jahr lang liegen lassen. Im April 2025 habe ich entschieden: Jetzt stelle ich es auf größere Füße. Produzieren lassen, nicht mehr selbst produzieren. Das Begleitbuch habe ich neu geschrieben. Seit Oktober bin ich dabei, das Ganze zu vermarkten.

Was bringt mir das konkret – was ist der Nutzen?

Antwort:

Damit kannst du dich im Grunde selbst coachen – fast schon therapieren. Es geht darum, dich besser kennenzulernen, Klarheit zu erlangen und Ideen zu entwickeln, in welche Richtung es gehen könnte.

Und das Entscheidende ist: Du erhältst Impulse und Fragen, die dich öffnen. Diese öffnenden Fragen findest du im Begleitbuch, denn es geht nicht darum, dir etwas „zu sagen“, sondern darum, dich in einen neuen Standpunkt zu bringen. Neue Einsichten. Mehr Abstand. Mehr Klarheit.

Ist das eher spirituell oder eher psychologisch?

Antwort:

Beides. Ganz klar. Ein Sowohl-als-auch.

Ich bin per se ein spiritueller Mensch. Für mich gehören Felder und Energien, hoch schwingend oder niedrig schwingend, Projektionen und Manifestieren zu meiner Welt.

Aber ich bin auch ausgebildeter Coach und arbeite systemisch. Dadurch ist das Ritual auf beiden Seiten anwendbar: spirituell wie psychologisch. Und genau das macht es rund.

Wie funktioniert das Ritual, wie ist der Ablauf?

Antwort:

Es gibt verschiedene Rituale:

Mit einem Stab, mit mehreren Stäben, als Ziehen oder als Wurf. Aber der Kern ist immer derselbe: Du ziehst nicht „einfach so“. Du gehst mit einer Absicht hinein. Mit einer Intention. Mit einer klaren Frage.

Bevor du überhaupt einen Stab berührst, richtest du dich innerlich aus. Worum geht es wirklich? Was will ich jetzt erkennen? Du sammelst dich kurz, wirst präsent und konzentrierst dich auf das, was kommen soll – nicht als Druck, sondern als Fokus.

Und erst dann ziehst du einen oder mehrere Stäbe. Genau diese Ausrichtung verwandelt einen Griff in den Beutel in ein Ritual. Ohne Absicht ist es nur Zufall. Mit Absicht wird es zu einem Spiegel.

Welche Formen gibt es, um damit zu arbeiten?

Antwort:

Es gibt verschiedene Rituale. Du kannst beispielsweise mit einem Stab als Morgenritual arbeiten. Du kannst aber auch mit mehreren Stäben arbeiten und sie werfen.
Eine Übung, die ich sehr spannend finde, ist herauszufinden, welches Konzept gerade aktiv ist oder welches dein Leitkonzept ist, also das Feld, in dem du hauptsächlich schwingst. Das bringt oft sehr schnell Klarheit darüber, was eigentlich gerade läuft.

Wie ist das Ganze aufgebaut?

Antwort:

Es gibt 64 Stäbe, 64 Konzepte und 64 Felder. Jedes Konzept ist ein Feld. Ein Beispiel ist das Feld der Dankbarkeit.

Dieses Feld wird genährt – nicht nur, wenn du dankbar bist. Auch wenn du Dankbarkeit einforderst, verweigerst, darüber diskutierst oder dagegen protestierst, wird dieses Feld genährt. Das ist ein wichtiger Punkt: Energie folgt der Aufmerksamkeit. Worauf du schaust, was du auflädst, wogegen du gehst – das wird stärker.

Diese Felder sind groß. Viele Menschen „bespielen“ sie – bewusst oder unbewusst. Und wir leben in diesen Feldern. Sie kontrollieren uns zwar nicht direkt, aber wir schwingen darin.

Wie kann man sich „in einem Feld schwingen” vorstellen?

Antwort:

Es ist wie eine Brille. Wenn du dich in einem Konzept befindest, schaust du durch diesen Filter.

Aber es ist nicht nur ein „Durchschauen“ – du befindest dich in diesem Feld. Alles in dir schwingt in dieser Frequenz. Und genau dadurch wird auch dein Denken geleitet. Du interpretierst, bewertest und entscheidest aus der Logik dieses Feldes heraus.

Ein Beispiel ist die Sicherheit/Gefahr: Wenn dieses Feld stark aktiv ist, wirkt vieles potenziell gefährlich oder du musst dich absichern. Du prüfst ständig: Bin ich sicher? Werde ich angegriffen? Und du tust automatisch Dinge, um Sicherheit herzustellen. Das ist dann deine Realität in diesem Moment.

Was bedeutet das im Kontakt mit anderen?

Antwort:

Dass Menschen manchmal kaum miteinander kommunizieren können, obwohl sie „eigentlich“ dasselbe meinen, ist oft frustrierend. Das liegt daran, dass jeder einen Filter vor Augen hat.

Wenn ich mich im Feld „Sicherheit–Gefahr“ befinde und der andere im Feld „Trennung“, dann reden wir aneinander vorbei. Der eine schaut „rot“ und sieht nur Gefahr, auch die Gefahr einer Trennung. Der andere schaut „grün“ und befindet sich im Trennungsprozess. Beide befinden sich in unterschiedlichen Realitäten, da sie unterschiedliche Konzepte verfolgen.

Woher kommt das Wissen hinter den 64 Konzepten?

Antwort:

Du findest diese Themen an vielen Stellen. Im I-Ging zum Beispiel, aber auch in buddhistischen Lehren. Teile davon findest du in den hermetischen Gesetzen, in Achtsamkeits-Seminaren und in vielen spirituellen und psychologischen Richtungen. Das sind universelle Themen.

Ich selbst habe die Inhalte vor vielen Jahren kennengelernt: durch Seminare, durch die Arbeit und durch eigene Erfahrungen. Viele Konzepte habe ich selbst durchlebt – und dadurch sind sie für mich keine Theorie mehr, sondern Praxis.

Was sagst du, wenn jemand sagt: „Ah, das ist wie Tarot!“?

Antwort:

Es gibt eine oberflächliche Ähnlichkeit: Man zieht etwas. Aber der Kern ist ein anderer.

Die Konzeptstäbe sind direkte Felder aus dem Alltag, also Themen, mit denen du als Coach oder Therapeut ohnehin arbeitest, zum Beispiel Entscheidungen, die nicht getroffen werden, Achtsamkeit oder innere Muster. Das ist der Praxisbezug. Genau dadurch hat das für mich nichts mit „Esoterik” im Sinne von Orakel- oder Engelskarten zu tun.

Am Ende ist es gar nicht so relevant, ob man daran glaubt oder nicht. Wenn du es testest und es funktioniert - das ist wichtig.

Warum Stäbe – und warum Holz?

Antwort:

Weil ich sie so gesehen habe. Ich habe das Bild vor Augen: Stäbe, die fallen, in verschiedene Richtungen liegen, sich berühren, aufeinander liegen. Und das ist bedeutungsvoll. Das kann ich mit Karten nicht so herstellen.

Und dann ist da die Haptik. Dieses Anfassen, dieses Reinfühlen. Das funktioniert mit Karton oder Plastik nicht auf dieselbe Weise. Darum: naturbelassenes Holz, gelasert, keine Farbe, keine Chemie. Ein Baumwollsack. Pur.

Und ja, die Stäbe bekommen Flecken und der Laser wird mit der Zeit weniger intensiv, aber genau das ist es.

Back to the roots. Echt.

Für wen ist das Ritual gedacht?

Antwort:

Für alle, die an einem Punkt angelangt sind und sich weiterentwickeln wollen. Ich will etwas ändern. Ich stehe vor Entscheidungen. Ich weiß nicht, wohin.“

Es ist auch ein gutes Geschenk, gerade für Menschen, die offen sind und über den Tellerrand schauen wollen, und darüber hinaus definitiv für Coaches und Therapeuten jeder Couleur. Auch für Hypnose-Therapeuten. Für Menschen, die Supervision machen. Und Gruppen.

Warum ist das gerade im Coaching so wirksam? Wo setzt du es ein?

Antwort:

Weil es hilft, Themen zu benennen. Oft merkt man, dass da etwas ist, aber man kann es nicht richtig fassen. Sobald ein Thema einen Namen hat, verliert es an Macht.

Du kannst das Ritual an verschiedenen Stellen einsetzen: in einer Vorstellungsrunde, als Gesprächseinstieg oder als Ritual im Prozess. Es ist eine gute Methode, um Menschen aus dem normalen Denken herauszuholen, sie aus ihren immer gleichen Gedanken herauszuholen und in neue Felder und Richtungen zu führen.

In welchen Lebensbereichen kann man damit arbeiten?

Antwort:

Eigentlich in allen. Beziehung. Beruf. Probleme. Entscheidungen. Alles, bei dem du merkst: „Da hängt was“ oder „Da brauche ich Klarheit“, ist ein guter Ansatzpunkt.

Und wie sieht es mit schwierigen Konzepten wie Schattenseiten, Bedrängnis und Macht-Unterdrückung aus?

Antwort:

Das gehört dazu. Unser Leben hat gute und schlechte Seiten. Wenn ich nur die schönen Dinge betrachte, lasse ich einen Teil der Realität außer Acht.

Wenn jemand in einer Schattenseite steckt, spürt er das meistens sowieso. Dann ist es hilfreich, wenn er sie benannt bekommt. Denn eine Angst, die man nicht benennen kann, ist viel schlimmer als eine, die man benennen kann. Wenn du sagen kannst: „Das ist der Punkt“, dann kannst du auch Lösungen finden. Die Fragen sind so gestellt, dass es immer einen Ausweg gibt.

Was sagst du zu Menschen, die Angst haben, etwas „Falsches“ zu ziehen?

Antwort:

Das kenne ich. Es gibt Dinge, auf die man keine Lust hat. Aber Angst ist ein schlechter Ratgeber.

Das Ritual soll dir Klarheit, Abstand und Sicherheit geben, nicht Angst machen. Wenn du dich einmal in das Feld begibst, dann bist du ja schon drin. Wenn du aus Angst nicht ziehst, bringt dich das nicht raus. Ziehen heißt: erkennen, reflektieren, verändern. Das Ziel ist immer, das Feld zu wechseln – in ein förderliches Feld.

Was hast du beobachtet, seit die Menschen damit arbeiten?

Antwort:

Auffällig ist, dass es Stäbe gibt, die ich selbst noch nie gezogen habe, außer wenn ich bewusst damit arbeite oder Felder setze. Andererseits gibt es Menschen, die über Wochen immer wieder das gleiche Konzept ziehen – teilweise bei jeder dritten Frage.

Wenn mir jemand sagt: „Mathias, warum ziehe ich ständig dieses Konzept?“, dann zeigt mir das, dass ein Feld anspringt. Und es zeigt mir auch, dass das System funktioniert. Es trägt.

Wie finde ich das aktuell aktive Konzeptfeld?

Antwort:

Über das Körpergefühl. Du gehst in Präsenz, verbindest dich mit dem aktuellen Gefühl und gehst dann in den Beutel. Du fühlst über die Stäbe und wartest auf Resonanz.

Resonanz kann sich auf verschiedene Weise zeigen: ein komisches Gefühl, eine Verstärkung, immer wieder dagegenstoßen oder ein Stab fühlt sich anders an. Aber irgendwann ist es eindeutig. Und dann ziehst du und hast einen klaren Spiegel, der zeigt, wo du gerade bist

Du hast gesagt, du hast die Stäbe mit den Konzepten verbunden. Wie genau meinst du das?

Antwort:

Die Stäbe sind mit den großen Feldern über ein Ritual verbunden. Ich gehe selbst in das jeweilige Konzept, also in das jeweilige Feld – zum Beispiel „Lenken von Emotionen“ – und verbinde die entsprechenden Stäbe mit diesem Feld.

Dadurch sind die Stäbe nicht einfach nur beschriftet, sondern über das Verbinden mit dem Konzept verknüpft.